Rüdiger Hoffmann: Ich hab's doch nur gut gemeint

Festhalle Oberbruch

So | 30.09.2018 | 20:00:00

Rüdiger Hoffmann

Ich hab's doch nur gut gemeint

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Besetzung

Rüdiger Hoffmann

Veranstalter

Eventkarussell

Rüdiger Hoffmann über sein neues Programm und über sich selbst:

Ich hab's doch nur gut gemeint

Was darf man von Ihrem neuen Programm „Ich hab's doch nur gut gemeint“ erwarten?

Es geht um Alltagsgeschichten, wie beispielsweise einen Campingurlaub mit meinen Bekannten, Monika und Hans-Peter. Es geht auch um die aktuelle Situation in Deutschland und die Selbstoptimierung. Dass dies immer nur auf Kosten anderer Menschen geht, spreche ich an. Ich mache das aber sehr charmant und witzig und verzichte auf den erhobenen Zeigefinger.

„Ich hab’s doch nur gut gemeint“ heißt Ihr aktuelles Programm. Bekanntermaßen ist ja „gut gemeint“ das Gegenteil von „gut“ – aber wobei oder womit meinen Sie es denn in diesem Fall besonders gut?
Hoffmann: Eigentlich beschreibt der titelgebende Spruch sehr schön die Rolle, die ich darstelle: Einer, der sich nach außen hin positiv darstellt, damit aber hinten rum andere, natürlich eigene Interessen verbindet. Als Beispiel: Ich helfe einem Bekannten, seinem Singledasein zu entfliehen und eine Frau kennen zu lernen – und möchte die dann natürlich für mich selbst.

Sie gewännen, so heißt es zu Ihrem aktuellen Programm, jeder Katastrophe etwas Gutes ab. Gilt dies lediglich für die kleinen Alltagsdramen, oder könnten Sie auch den großen Katastrophen der Menschheit noch eine absurde oder gar heitere Note abtrotzen?
Hoffmann: Meine Themen sind schon eher die Katastrophen des Alltags. Einem Atombombenabwurf etwas Heiteres abzugewinnen fände ich schwierig. Obwohl: Aktuelle Fragen zu Politik und Gesellschaft spielen auch bei mir eine Rolle. Eine komplette Nummer etwa setzt sich auf absurd-überspitzte Weise mit Rassismus und Fremdenangst auseinander, da bleibt den Zuschauern schon das Lachen im Hals stecken. Ich habe überdies festgestellt, dass ich die „Anonymen Ausländerfeinde“ aus meinen Programmen von vor gut 20 Jahren, als die Asylbewerberheime brannten, problemlos ins Heute übernehmen kann: Damals waren es Skinheads, heute sind es AfD- und Pegida-Leute.

30 Jahre auf der Bühne – warum, glauben Sie, nimmt Ihnen das Publikum nach wie vor Ihre Unschuldsmiene, hinter der sich zuweilen ja ein waschechter Chauvi verbirgt, ab?
Hoffmann: Wahrscheinlich, weil die Zuschauer merken, dass es mir immer noch Spaß macht, Geschichten zu erzählen. Gerade das aktuelle Jubiläumsprogramm ist ein besonderes, persönlicheres – denn es ist das erste seit 20 Jahren, das ich komplett allein geschrieben habe. Bislang waren immer Co-Autoren und tolle Kollegen wie unter anderem Oliver Welke oder Micky Beisenherz mit an Bord. Eine richtige Genugtuung, zu sehen, dass man’s noch kann! Herzstück ist etwa das Thema Selbstoptimierung: Die Menschen haben keine Zeit mehr, weil sie alles an sich immer perfekter machen wollen. Die Gesundheits-App, die ich an einer Bekannten teste, ist natürlich reiner Schwachsinn. Früher haben die Leute auch nicht ihre Schritte gezählt, sich aber ohnehin mehr bewegt.

Das neue Programm verspricht erneut Lieder zwischen scharfsinnig-böse und heiter, aber Sie pflegen als Musiker ja durchaus auch eine härtere Gangart. Ist hier ein neues Album zu erwarten – und gibt es neue Schauspiel-Projekte?
Hoffmann: Ich liebäugele durchaus damit, mit einer Band auf Tour zu gehen – dann würde ich aber nur in ganz kleinen Clubs auftreten. Die CD „Sex oder Liebe“ (das erste rein musikalische Album von 2007, d. Red.) habe ich gern gemacht – aber auch gemerkt, dass das Publikum verunsichert war. Viel Spaß hat mir vor Kurzem das Synchronisieren des Faultiers „Flash“ im Disney-Film „Zoomania“ gemacht; und wenn ein gutes Filmangebot kommt – gern.

Zum Schluss: Sind eigentlich Olaf und Birte noch mit von der Partie?
Hoffmann: Nein, die waren dank Oli Welke als geistigem Vater lange dabei. Ich habe nun Monika und Hans-Peter im Gepäck: Er ist Sachbearbeiter in der Buchhaltung, sie Pädagogin. Nachwuchs haben sie nicht, doch ist Hans-Peter quasi das Kind, denn Monika hat ihn mit Belohnungsampel und stiller Treppe fest im Griff. Ich liebe sie beide …

Seit 30 Jahren sind Sie auf den Bühnen Deutschlands unterwegs. Nun präsentieren Sie das Programm "Ich hab's doch nur gut gemeint". Das klingt ein bisschen nach Abschied, nach Bilanz ziehen. Was verbirgt sich hinter dem Titel?
Der titelgebende Spruch beschreibt eigentlich schon sehr gut die Rolle, die ich in meinem neuen Programm darstelle. Da spiele ich einen, der sich nach außen hin positiv präsentiert, hinten herum aber ganz andere Interessenvertritt; seine eigenen nämlich.
Da bringe ich dann unter anderem das Beispiel des Bekannten, dem ich helfe, seinem Singledasein zu entfliehen und eine Frau kennen zu lernen. Aber die möchte ich dann doch lieber für mich selbst.
Der Titel bezieht sich wirklich nur aufs Programm. Ich denke noch lange nicht daran, aufzuhören. Solange wie mein Publikum und ich Spaß haben, an dem, was ich tue, solange werde ich auch noch auf der Bühne stehen.
Wie unterscheidet sich das neue Programm von deinen vorigen? Ich habe mich immer bemüht, nicht das selbst nochmal in grün zu machen. Wenn ich zwei Nummern über Ausländerfeindlichkeit geschrieben habe, dann verzichte ich auch mal in einem anderen Programm darauf - obwohl ich das Thema vielleicht gut oder wichtig finde. Ich versuche nichts zu kopieren, sondern auch andere Geschichten zu erzählen. Ich habe in den letzten Programmen viel ausprobiert. Ich bin oft in verschiedene Rollen geschlüpft. Es war also eher weniger der typische Rüdiger Hoffmann darin. Beim aktuellen Programm geht es viel mehr "Back to the Roots", wie man mich vom Anfang kennt. Als der Geschichtenerzähler, der im weißen Hemd auf die Bühne geht und seine Geschichten aus dem Alltag erzählt.


Allgemein


Sie  stammen  aus Paderborn. Ein sturer, meist wortkarger  Westfale  also?
Hoffmann: Ohne wenn und     aber  -  ja.  Wenn Jesus aus  Paderborn   gekommen wäre,  dann hätte das  komplette  Alte Testament  auf ein DIN-A-4-Blatt gepasst.
Aber ich bin auch privat ein  ruhiger Charakter,  eher  introvertiert.  Als Ostwestfale ist man eben kein Hektiker.
Dass ich den Westfalen genauso spiele, wie es die Leute erwarten, ist mein Erfolgsgeheimnis. Dafür habe ich meinen Landsleuten aufs Maul geschaut und das dann in meinen Programmen umgesetzt. In Westfalen selbst frage ich mich dagegen, ob das, was ich da so mit trockenem Humor erzähle, nicht als ganz normal hingenommen wird.


Wenn man wie ich aus Paderborn kommt, ist der Humor etwas trockener, und man braucht nicht viele Worte, um etwas auszudrücken. In meinen Programmen verarbeite ich aber auch viele persönliche Erlebnisse. Ich habe mich tatsächlich mal als WDR-Mitarbeiter ausgegeben, um eine Wohnung zu bekommen. Der Vermieterin war das offenbar sehr wichtig. Und ich saß tatsächlich mal in einem chinesischen Restaurant und habe gezählt, ob es wirklich acht Kostbarkeiten sind. Es waren nur sieben. Tolle Idee für eine Nummer, dachte ich.


Ich komme halt aus Paderborn, bin Ostwestfale und die Reden einfach nicht so viel. Meine Geschichten brauchen außerdem eine gewisse Zeit und Ruhe. Ich kann auch schneller erzählen, aber das passt nicht so. Die Leute sind in einer Art Kopfkino, die Bilder müssen sich erst entfalten. Da sind Pausen unheimlich wichtig.